Projektarbeit: Vorstellung Kinderhaus Bremholm

Dieser Bericht wurde erstellt – auf Basis einer Projektarbeit einer 9. Klasse der Gemeinschaftsschule Sterup (von Jennifer und Saskia S., Bewohner des Kinderhaus Bremholm) für die Ausgabe >INFO 33< – einer jährlichen Informationsbroschüre der Interessengemeinschaft Kleine Heime & Jugendhilfeprojekte Schleswig-Holstein e.V., Schleswig – für Landesjugendämter, Jugendämter, Entsendestellen, Allgemeine Soziale Dienste….

Die IKH-SH e.V. ist ein gemeinnütziger Jugendhilfeverband in dem sich Kinderheime und Jugendhilfeprojekte mit Sitz in Schleswig-Holstein zusammengeschlossen haben, mit dem Ziel innovative als auch kreative Hilfen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene anzubieten.

Die Zwillinge Saskia und Jennifer S. verbrachten über 8 Jahre im >Kinderhaus Bremholm<.

 

Einleitung

Wir haben mit der Leitung des Kinderhaus Bremholm – Frank B. Meier – ein Interview gemacht. Auch die Trägerin und Leitung – Meike Meier-Kraile – hat uns viele Fragen beantwortet.

Wir – das sind Saskia und Jennifer – die schon seit vielen Jahren im Kinderhaus leben. Weil es immer wieder heißt, dass es in Heimen nicht so toll ist und Heime einen schlechten Ruf haben, haben wir in unserer Abschlussarbeit darüber geschrieben

Viele, die über Heime reden, wissen oft nicht worüber sie sprechen .Dies gilt für die Einrichtung und auch für die Kinder die dort leben, obwohl sie nicht wissen können wie es bei uns zugeht. Wir haben dieses Thema auch noch ausgesucht, weil wir sehr froh sind, dass wir in Bremholm sein können. Wir finden, man sollte nicht schlecht über etwas urteilen, wenn man es nicht besser weiß. Jeder hat die Chance dazuzugehören, egal ob man in einem Heim lebt oder zu Hause bei den Eltern.

Das Interview hat uns sehr viel Spaß gemacht

In Bremholm leben 11 Kinder Das jüngste Kind ist 5 Jahre alt und seit 5 Monaten hier. Dann gibt es 3 Mädchen die 16 Jahre alt sind .Insgesamt gibt es 8 Mädchen und 3 Jungs.

Irgendwie ist es in Bremholm so, wie in einer großen Familie. Alle Kinder gehen morgens zur Schule oder in den Kindergarten. Mittags essen wir an zwei großen Tischen gemeinsam das, was unsere Hauswirtschafterin gekocht hat. Das ist meistens ganz lecker – es gibt auch immer Nachtisch.

Nachmittags sind dann fast alle mit Hausaufgaben beschäftigt. Hier helfen die Erzieher, wenn wir nicht weiter wissen. Sind einmal die Noten etwas schlechter, müssen diese Fächer am internen Förderunterricht teilnehmen bis die Noten ausgeglichen sind

Für die Zimmer sind die Kinder selbst verantwortlich. Hier müssen wir morgens, mittags und abends für Ordnung sorgen. Dies gilt natürlich nicht für die ganz Kleinen. Dann haben wir jede Woche auch feste Aufgaben, wie zum Beispiel Tisch decken oder fegen und feudeln.
Haben wir alle Schulaufgaben und Dienste fertig, können wir machen was wir wollen Im Sommer sind wir dann oft am Strand, oder spielen im großen Garten, oder sind bei unseren Pferden.
In den Sommerferien fahren wir immer mit allen Kindern nach Dänemark in ein großes Haus mit Pool am Strand. Jedes Jahr sind wir auch mit alle Kindern bei den Karl May Spielen in Bad Segeberg. Wir waren auch schon auf Mallorca – auf der Finca von Peter Maffay – das war ganz klasse.

Selbst Weihnachten und Ostern verbringen wir alle gemeinsam in Bremholm.

So gesehen ist es in Bremholm nicht viel anders als bei anderen Familien Der einzige Unterschied ist, das es hier keine Eltern oder Oma und Opa gibt. Manche Kinder sind auch richtig froh darüber, dass das so ist.

Als Ersatz haben wir aber Meike und Frank, die das ganze Jahr hier wohnen

Fragen, die wir (fast) selbst beantworten konnten:

1. Wann wurde Bremholm erbaut?
Am 01.08.1948 wurde mit dem Bau von Bremholm angefangen. Ursprünglich war es eine Weberei mit einer großen Halle und vielen Webstühlen, die bis unter die Decke reichten .Ende der 60er und wieder Ende der 70er Jahre wurde es zu einem Wohnhaus mit 3 und später mit 2 Wohnungen umgebaut

2. Wann wurde das Kinderhaus gegründet ?
1988 wurde mit dem Umbau für das Kinderhaus begonnen. Seit 1989 wird Bremholm als Kinderhaus genutzt Seit dieser Zeit wohnt auch Meike mit den Kindern hier zusammen. Diese Art von Betreuung nennt man familienanaloge Einrichtung. Es ist heute sehr selten, dass der Träger in der Einrichtung mit den Kindern wohnt.

3. Wann wurde der Anbau erbaut?
Der Anbau mit 2 Apartments und separatem Duschraum und Toilette wurde 1991 erbaut. Früher war in diesen kleinen Wohnungen auch noch eine Küchenzeile eingebaut. Dieser Anbau ist nur für Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren vorgesehen Diese sollen hier lernen, selbständige zu wohnen und eigenverantwortlich zu leben. Wir wohne auch im Anbau.

4. Wie viel Kinder leben in Bremholm?
Es leben 11 Kinder in Bremholm und Meike und Frank mit ihrer Tochter L..

5. In welchem Alter sind die Kinder?
Es leben hier sowohl Jungen und Mädchen im Alter von 5 bis 16 Jahren Es gibt Kinder, die schon 8 Jahre hier sind, andere sind erst seit 6 Monaten in der Einrichtung. Mit 18 Jahren verlassen die Kinder die Einrichtung und beginnen ihr selbständiges Leben Einige Kinder werden auch nach dieser Zeit noch von Meike betreut.

6. Wie viele Räume gibt es?
Es gibt 15 verschiedene Räume .Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer. Dann gibt es noch ein großes Esszimmer mit Wintergarten, zwei Küchen und ein Wohn- und Arbeitszimmer. Insgesamt ist alles fast 600 qm groß.

7. Wie viele Erzieher arbeiten bei uns?
Es gibt sechs Erzieher und eine Hauswirtschafterin und einen Hausmeister. Manchmal haben wir auch noch einen Praktikanten (Bundesfreiwilligen Dienst oder Freiwillige soziales Jahr)

8. Wie viele Tiere haben wir?
Wir haben vier Pferde. Drei Pferde sind auf unserer Weide direkt am Haus und ein weiteres Pferd auf einem Reiterhof, wo wir auch Reitunterricht haben. Dann ist da noch Lotta, unsere 8 Jahre alte Hündin. Im letzten Jahr hatten wir auch noch ein Schaf

9. Wie viele Mädchen und Jungs gibt es?
Es gibt bei uns in der Einrichtung 8 Mädchen und 3 Jungen.

10. Auf welche Schule gehen die Kinder?
Vier Kinder gehen auf die Gemeinschaftsschule in Sterup, zwei Kinder gehen auf das Bernstorff-Gymnasium in Satrup. Drei Kinder sind noch in der Grundschule in Sterup. Die ganz Kleinen gehen in den Kindergarten.

 

Unser Tagesablauf

Im Kinderhaus gibt es jeden Morgen drei Gruppen von Kindern. Die eine Gruppe von kleinen Kindern fährt mit dem Schulbus um 7.15 Uhr zur Grundschule und unsere Schüler vom Gymnasium ebenfalls. Die andere Gruppe sind die Großen, diese sind ab 6.45 Uhr zu Fuß oder mit Rad zur Gemeinschaftsschule unterwegs. Und die letzte Gruppe sind die kleinsten Kinder, die von einem Erzieher in den Kindergarten gefahren werden.

Bevor alle Kinder aus dem Haus gehen, gibt es natürlich Frühstück. Allerdings müssen davor die Zimmer aufgeräumt sein, die Zähne geputzt und geduscht werden. Klar, dass die Erzieher hier auch auf unsere Sachen achten.

Gegen 13.00 Uhr sind fast alle Kinder wieder zuhause. Dann werden die Schülerplaner besprochen und die Hausaufgaben eingeteilt. Wenn wir noch Zeit hatten, konnten wir bis zum Mittagessen alles machen, wozu wir Lust haben.

Vor dem Mittagessen werden dann wieder die Zimmer kontrolliert – es soll immer ordentlich aussehen, sagt Frank. Manchmal ist auch noch eine zweite oder dritte Portion Nachtisch übrig. Um diesen können dann alle Kinder rechnen. Frank stellt Rechenaufgaben für die kleinen, mittleren und großen Kinder. Wer richtig rechnet hat sich eine zweite oder auch dritte Portion verdient.
Dann werden die Tische abgeräumt und die Küche mit der Hauswirtschafterin gemacht. Von 14.00 bis 15.00 Uhr haben wir Mittagsruhe. Hier sind dann alle Kinder in ihren Zimmern und machen Hausaufgaben oder ruhen sich aus.

Je nachdem wie das Wetter ist, gehen wir dann raus und spielen. Hier haben wir einen Fußballplatz, viele Spielgeräte und Spielzeug für draußen. Dann können wir auch das riesig große Trampolin benutzen. Die älteren Kinder kümmern sich auch um die 3 Pferde.

Viele Kinder von uns sind am Nachmittag auch nicht in der Einrichtung, sondern beim Sport, Fußball, Schwimmen oder den Pfadfindern .Andere Kinder haben Reit- und Klavierunterricht .Wer Lust hat, kann am Wochenende noch zusätzlich am Schersberg (Internationale Bildungsstätte) an Veranstaltungen wie der Theater AG teilnehmen.

Das Abendessen gibt es immer um 18.00 Uhr. Hier werden auch die Schulbrote geschmiert.Bevor das Abendessen beginnt, müssen wir wieder die Zimmer ordentlich aufgeräumt haben. Manchmal ist das Aufräumen zwar anstren gend, aber dafür finden wir auch immer alles in unseren Zimmer wieder, ohne suchen zu müssen.

Ab 19.30 Uhr gehen die kleinen Kinder ins Bett. Fast jedes Kind hat eigene Bettgehzeiten.

Einmal in der Woche treffen sich alle größeren Kinder gegen 19.30 Uhr zur gemeinsamen Besprechung. Hier wird über alles gesprochen, was uns wichtig ist und jede Woche schreibt ein anderes Kind das Protokoll. Wir haben auch einen Kinderbriefkasten, wo jedes Kind ohne seinen Namen zu verraten, Punkte aufschreiben kann, die besprochen werden sollten.

Alle freuen sich natürlich auf das Wochenende. Da können wir länger schlafen und haben richtig viel Zeit. Wir stehen dann gegen 10.00 Uhr auf und haben bis 11.00 Uhr Zeit, um uns für das Frühstück fertig zu machen. Am Wochenende gibt es immer ein ganz großes und langes Frühstück. Nachdem wir mit allem fertig sind, versuchen wir immer alle zusammen etwas zu unternehmen. Bei schönem Wetter sind wir am Strand, wenn es regnet fahren wir nach Eckernförde ins Schwimmbad oder bummeln durch die Stadt.

Am besten gefällt es uns immer am Strand von Solitüde, da können wir viel spielen und hinterher gibt es meistens bei Krüger ein Eis.

Am Wochenende sind auch öfter andere Kinder in Bremholm zu Besuch oder wir können unsere Freunde besuchen und dort auch übernachten.
Abends ist es meistens ganz besonders toll, weil wir länger aufbleiben dürfen. Im Sommer spielen wir noch lange draußen. Im Winter spielen wir viele Spiele oder können eine DVD aussuchen. Manchmal haben wir auch eine eigene Disco mit Nebelmaschine und viel Licht und unserer Musik.

Die Sommerferien sind auch ganz toll. Keine Schule und kein Förderunterricht. Die letzten Jahre waren wir immer in großen Ferienhäusern mit Pool in Dänemark. Davor waren wir auch schon in Bayern, Polen oder auch einmal bei Peter Maffay auf Mallorca Einige Kinder sind dann noch zusätzlich auf Ferienfreizeiten

Nur ein Kind ist für einige Tage in den Ferien bei seiner Mutter. Alle anderen Kinder sind immer in Bremholm.

Andere Kinder wollen keinen Kontakt zu ihren Eltern oder ihrer Familie mehr haben oder ihre Eltern wollen oder können sich nicht um ihre Kinder kümmern.
Bei den meisten Eltern bzw Müttern gibt es einen Vormund, der die Interessen der Kinder, auch gegenüber den Eltern, wahrnimmt. Diese Kinder treffen sich in regelmäßigen Abständen mit ihren Eltern oder Elternteilen in Flensburg. Hier ist immer Frank dabei.

Wir möchten unseren Vater und unsere Mutter nicht treffen, das hat auch seine Gründe. Aber wir haben ja Frank und Meike.

Wie hat dir das Thema gefallen?

Weil wir uns das Thema selbst aussuchen durften, hat es uns sehr gut gefallen. 
Wir hatten viel Spaß mit unseren Interviews mit Meike und Frank. Es war nicht immer leicht, beide zu erwischen und ihnen die Fragen zu stellen Wir mussten auch häufig nachfragen, was die Antworten bedeuten und einiges 
haben wir bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht gewusst.

Auch war es uns ganz wichtig, anderen davon zu berichten, wie es in einem Kinderhaus – viele sagen auch (Kinder-)Heim dazu – zugeht. Es ist einfach eine große Familie mit vielen unterschiedlichen Kindern. Das merken wir immer zu Weihnachten, wenn wir im Wohnzimmer neben dem Weihnachtsbaum sitzen und alles voller Geschenke ist. Wir sind dann alle in der Kirche gewesen und schon Tage vorher ganz aufgeregt, was wir bekommen und ob unsere Geschenke auch Frank und Meike gefallen.

Klar, ist es hier manchmal recht anstrengend, wenn Frank unsere Zimmer kontrolliert, aber ehrlich gesagt, haben wir auch unseren Spaß, wenn er den Strumpf nicht hinter dem Sofa findet .Und der Förderunterricht ist manchmal auch ganz schön anstrengend, aber mit etwas Glück schaffen wir im nächsten Zeugnis wieder bessere Noten.

Wir sind hier richtig zuhause. Wir haben zwar keinen Kontakt zu unseren Eltern und wollen das auch nicht, aber für uns ist das auch gut so. Wir möchten für immer hier bleiben und wenn nicht in Bremholm, dann doch immer in der Nähe von Meike und Frank.

Wir hoffen, dass andere Kinder das ein wenig verstehen können und hoffen, dass sie heute ein Kinderheim mit anderen Augen sehen.
Jennifer und Saskia S.

Anmerkung: Jennifer und Saskia haben beide Ihren Hauptschulabschluss erreicht. Beide arbeiten heute in einer Werkstatt für psychisch behinderte Menschen und leben in einer betreuten Wohnsituation. Beide waren fast 10 Jahre im Kinderhaus Bremholm.