Das Leben mit Pferden

„Leben in einem Kinderhaus bedeutet für Kinder, Leben in einem neuen individuellen sozialen Umfeld… sowie eine behutsame Veränderung ihrer psychosozialen Entwicklung… als auch neue Erfahrungen zu Bindungsangeboten und Verlässlichkeiten…“

Bei uns erfahren viele der Kinder und Jugendlichen einen Schutz- und Schonraum, indem sie – meist nach kurzer Zeit – Möglichkeiten der Entwicklung intensiv wahrnehmen können. Eng verbunden ist damit das Erlernen von Selbstsicherheit und die Entwicklung einer positiven Lebensperspektive.

Dabei bieten die Pferde – zumindest einigen unserer Schützlingen – die Möglichkeit Zugänge zu Neuem, häufig nicht gekannten Erfahrungen zu finden. Diese Erfahrungen und Erlebnisse können sich dann positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirken.

Gerade das Pferd, bzw. Pony ist dabei als Tier besonders geeignet: Zum einen kann es als großes Schmusetier „benutzt“ werden, wobei durch Putzen, Füttern und Bürsten schnell ein erster Kontakt hergestellt werden kann, und es viele Einladungen zur Kontaktaufnahme durch das eben Beschriebene anbietet, zum anderen als Freund und Streicheltier, das treu und ergeben zu einem hält.

… bekommt das Kind dafür vom Pferd „Halt und Beziehung“

Das Pferd fordert eine gewisse Gradlinigkeit und Struktur – es hat ja auch ein Eigenleben – , erlebt es dieses jedoch mit dem Kind, das sich um es kümmert, bekommt das Kind dafür vom Pferd „Halt und Beziehung“. Und gerade hier sind bei vielen unserer Kinder Defizite festzustellen, die durch den Umgang mit Pferden reduziert werden können.

Bei uns in Bremholm leben zur Zeit vier Pferde, die wir mit den Kindern versorgen. Die Tiere sind weitestgehend in unseren Alltag mit eingebunden. Bei der täglichen Stallarbeit stehen die Versorgung und pferdepflegerische Tätigkeiten im Vordergrund. Unsere Kinder gestalten den Pferdealltag – im Rahmen dessen was uns möglich ist – weitestgehend mit. Individuelle Möglichkeiten werden von uns, so gut wie es geht, integriert, so daß jedes Kind, welches sich mit den Tieren beschäftigt, schnell das Gefühl etwas Besonderes zu beherrschen, erlebt.

Das Pferd ist dabei der lebendige Partner des Kindes; mit ihm erlebt es die konkrete Erfahrung des Möglichen (ich kann mich auf mein Pferd setzen, ohne dass mir etwas passiert) und Grenzen (nicht jeder Reiter beherrscht ohne weiteres die Dressur).

Da viele unserer Kinder aus Großstädten kommen, stellt sie der Umgang mit den Pferden vor neue Anforderungen, die ihnen aber auch ermöglichen, neue Erfahrungen zu sammeln.

Haben die Kinder die erste Furcht überwunden, entwickeln sie schnell ein Gefühl des Stolzes und der Selbstsicherheit.

Durch den Umgang mit den Tieren erkennen sie, daß sie viel mehr bewältigen können, als sie je angenommen haben. Dieses Erkennen der eigenen Fähig- und Fertigkeiten, die allmähliche Übernahme von Verantwortung für ein Pferd und die Fähigkeit damit richtig umzugehen, bedingen diese Faktoren. Ein Pferd weckt Respekt (Größe), läßt Vertrauen entstehen (Reiten).

Das Selbstvertrauen wird gestärkt, Vertrauen zu anderen aufgebaut. Angst wird überwunden, die Kinder wagen sich an neue Erfahrungen heran. Beim Reiten können sie sich über die Bewegung – ihrer selbst – vergewissern.

Das Pferd vermittelt Vertrauen und gibt zunehmend Sicherheit.